Zwischen Chur und Arosa liegt mehr, als die Schulweisheit sich träumen lässt. Hier finden sich Sagen von bösen Rittern, starken Frauen und märchenhaften Schlössern.
Die Sagen werden hier so präsentiert, dass sich eine Rundtour von Chur über Langwies nach Arosa und durchs Urdental über Tschiertschen und Praden zurück nach Chur ergibt.
Maladers
Das Fänggenmannli
In Maladers hütete ein Fänggenmannli lange Zeit einem Bauern die Kühe und besorgte in dessen Abwesenheit auch die Stallgeschäfte. Für diese Hilfeleistung bedingte er sich den Empfang des Milchschaums beim Melken und war damit zufrieden und glücklich. Der Bauer wollte sich indes erkenntlicher zeigen und stellte ihm einstens eine Gepse Milch hin. Das Mannli aber nahm den guten Willen böse auf, machte sich weg und kam nicht wieder.
Quelle: Jecklin, Dietrich; Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874
Calfreisen
Das Nachtvolk
Ein Mann von Castiel, der in Calfreisen sein Vieh stehen hatte, und täglich dort fütterte, ging, wie gewohnt, in den ersten Stunden des Tages Calfreisen zu. Auf einmal vernahm er ein sonderbares Geräusche, und glaubte, es seien Weiber von Calfreisen, die so früh schon nach St. Peter wollten, um dort ihren Hanf zu »reiben.«
Aber das war das Nachtvolk. Er drückte sich an die obere Seite des Weges, doch nicht genug, dass er durch das vorbeiziehende Nachtvolk unzählige Püffe bekam, und zuletzt umfiel. — Es wäre ihm noch gar übel gegangen, wenn nicht Einer aus dem Zuge schrittlings über ihn sich gestellt hätte, damit die Andern nicht weiter ihn belästigten.
Quelle: Jecklin, Dietrich; Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874
St. Peter
Der Talgeist
Sobald die Feierabendglocke ertönt und die Herden des stillen Alpentales von der Weide heimgekehrt sind, beginnt der Talgeist seine Wanderung.
Aus dem Scalära-Tobel, dem Aufenthalte so manchen Geistes, tritt er hervor, steigt über den Hochwang, und kommt durch die »Heuberge« nach Maladers herab, geht dann eilends nach Cavraisen und Castiel. Dort erst fängt er recht an, zu spucken und die Leute in den Häusern zu erschrecken.
Bis hieher hat er Menschengestalt beibehalten, als riesiger Mann in schwarzem Frack und Dreispitz, und nun verwandelt er sich in einen langhaarigen Pudel, der nur ein Auge hat, und zwar ein grosses, feuriges, viereckiges in der Mitte des Kopfes. Als »Pudel« läuft er weiters, nach St. Peter, wo er sein Hauptgeschäft abzumachen hat. Dort steigt er hinauf in’s alte Rathaus, nimmt alle Schriften und Briefe, Vollmachten und Protokolle aus Kisten und Schränken heraus. Mit mächtiger Tatze wirft er die Urkunden durcheinander, wie wenn er ein wichtiges Dokument suchte und heult dabei, als stünde er auf glühender Pflugsschaar; Funken sprühen aus seinem Auge, sein Pelz leuchtet in seltsamem Feuerglanze. Endlich legt er, wehmüthig singend, die Schriften alle wieder an Ort und Stelle und macht sich traurig davon.
Nun steigt er hinunter nach Molinis, hat aber schon wieder seine Gestalt verändert, indem er dort als feuriger Mann erscheint; mit jedem Tritte speit er Feuerflammen. So eilt er zum Entsetzen der Dorfbewohner mitten durch’s Dorf, über die Plessur, steigt nach Tschiertschen hinauf, geht dann nach Praden, und endlich Cur zu, um von dort aus wieder in’s Scalära- Tobel zurück zu kehren.
Diese Reise macht er monatlich einmal, aber an unbestimmten Abenden und Nächten. — Über seine Streiche weiss man in Schanvigg Vieles zu erzählen. Oft soll er sogar ein lustiger Geselle sein, der die grösste Freude daran hat, die Sterblichen zu plagen; meistens aber ist er böse gesinnt, sonderlich in der Gestalt des Pudels. Es sagte ein junger Bursche öfters: »Wenn ich nur den »Tal-Bülli« (diesen wandernden Geist) einmal zu sehen bekäme.«
Eines Abends spät sollte ihm dazu Gelegenheit werden. Er ging nämlich von Molinis nach St. Peter »z’hengert«. Beim »Gügel«, oberhalb Molinis, kam plötzlich der feurige Mann auf ihn zu und stellte sich gerade vor den erschrockenen Helden hin. Feuerflammen entströmten dem Ungeheuer, Blitze schossen aus dessen Augen. Bis gegen Morgen blieben diese Beiden einander unbeweglich gegenüber, der Moliniser konnte nicht und der Geist wollte nicht weichen. Doch endlich ertönte die Morgenglocke, und der Geist verschwand lachend: »Häsch‘ jetz a mol de Tal-Brülli gsäha!«
Dieser Talwaldbrülli war bei Lebzeiten Landammann gewesen, der Urkunden gefälscht und sonstige Betruge verübt hatte. In St. Peter besonders hat er mächtig zu tun, sucht aber immer doch vergebens ein wichtiges Dokument, untersucht viele Marchen in den Gütern von Maladers, Cavraisen, Castiel, Molinis, Tschiertschen und Praden. — Er soll sonst ein gebürtiger adelicher Curer, A.S., gewesen sein, der in Vorder-Schanvigg sesshaft, dort Landammann geworden. Immer wieder muss er in die Stätte der Curer-Geister, in das Scalära- Tobel, zurückkehren.
Quelle: Jecklin, Dietrich; Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874
Peist
Die bösen Fänggen
Einst wollte ein Mann von Peist im Winter ein Rind schlachten und hatte zu diesem Behufe alles vorbereitet bis auf den «Aufzug», an dem man die geschlachteten Thiere aufhängt – den hatte er im Frühjahr im Mayensäss vergessen, wo er ein Thier hatte metzgen müssen.
Er ging lange vor Tag hinauf, den Aufzug zu holen und bemerkte von Weitem, dass in der Hütte Licht war. Das nahm ihn nun Wunder, wer zu der Zeit droben sein möge, schlich zur Hütte hin und blickte durch die Fensterscheiben in die Stube. – Da sah er am Tische zwei Fänggen sitzen, welche einander die Haare flechteten.
Um den Aufzug nun zu haben, brauchte er nicht in die Hütte zu treten, sondern denselben nur unter dem Dache hervorzuziehen. Kaum hatte er seinen Aufzug auf dem Rücken, hörte er einen der beiden Fänggen sagen: «I schmeck Menschenfleisch» – «und i Christeblut», erwiderte der andere.
Der Mann machte sich aus dem Staube, die Fänggen ihm nach und hatten ihn beinahe eingeholt, als die Morgenglocke ertönte, worauf die Fänggen stille standen und einer dem Manne zurief: «Hätt’s nit grad‘ glüt, hätten mer di zerrissen, wie d’s Gstüpp an der Sunn.»
Quelle: Jecklin, Dietrich; Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874
Das Krachenmannli
Zwischen den Gemeinden Peist und Langwies steht ein langer Streifen Wald, der «Mattenwald» genannt, der vor vielen Jahren Peist angehörte.
Die von Langwies machten nun Ansprüche auf den Wald, die Peister behaupteten ihr altes Recht, es brachen arge Streitigkeiten aus, und die Gemeinden gingen mit einander vor Gericht.
Zu ihrem Leidwesen bemerkten die von Langwies, dass der Prozess für sie faul werden sollte, und da trat ein Mann aus ihrer Mitte hervor, der schwörte einen falschen Eid. Er hatte einen Löffel unter den Hut und Erde in die Schuhe gethan, und that den Schwur: «So wahr ich den Schöpfer über meinem Haupte und Erde unter meinen Füssen habe, so wahr gehört der Wald uns.» – Kaum hatte er dies gesagt, fiel er, wie vom Blitze getroffen, zu Boden, wurde kohlschwarz und gab seinen bösen Geist auf.
Seither muss dieser Mann im Walde «geisten». Sobald die Abendglocken den Thalbewohnern Ruhe vom Tagewerk verkünden, muss er in der Mitte des verrufenen Waldes am Wege von Peist nach Langwies, langsamen Schrittes auf und ab gehen, bis am Morgen, wenn die Glocke den Tag wachruft. Bald ist er ein kleines winziges Mannli, bald ein Riese mit feurigen Augen und Zähnen, trägt kurze Hosen, einen langen Frack und einen grossen Hut, wie man es zu seiner Zeit getragen. Auch kann er sich in ein Thier verwandeln. So verwandelte er sich einmal in eine Kuh und verlockte in dieser Gestalt einen Hirten, der ein verirrtes Rind suchte, weit ins Gebirge hinauf, bis auf einen Felsen im Mattenwalde, «Krachen» genannt. Dort stand plötzlich das Mannli vor ihm und lachte höhnend laut auf und verschwand.
Der Hirte kehrte scheltend und ärgerlich nach der Hütte zurück, wo er das verlorne Rind mit zwei Ketten angebunden, wieder fand.
Quelle: Jecklin, Dietrich; Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874
Der Betrogene
In einer Wirtsstube zu Peist im Schanfigg sass eines Abends eine Gesellschaft lustiger Burschen beisammen, trank dunkelroten Veltliner, und nicht wenig, und konnte mit Spässen und mutwilligen Possen keine Ende finden. Da trat spät noch ein Fremder ein, der in der Herberge übernachten wollte und sich einen guten Tropfen vorsetzen liess. Die jungen Leute luden ihn ein, an ihrem Tische Platz zu nehmen und beim Kartenspielen mitzuhalten, und er nahm das gerne an. Alles war guter Dinge, und der Fremde wurde immer gesprächiger. Der weinseligen Runde fiel es nicht auf, dass er sein grünes Hütchen mit der frechen Hahnenfeder nicht vom Kopf brachte. Zuletzt anerbot er sich, die ganze Zeche zu bezahlen, wenn der letzte, der die Stube verlasse, mit Leib und Seele inskünftig ihm dienen wolle. Ausserdem werde er dann jedem zum Andenken an diesen fröhlichen Abend die Tasche mit einem schönen Stück Geld füllen.
Die seltsame Bedingung, an die das Geschenk gehängt war, machte die Jungen indes doch etwas stutzig, und sie sahen einander mit langen Gesichtern an. Nun war keiner mehr im Zweifel, mit wem man es da zu tun hatte, und alle verwünschten insgeheim den Augenblick, in dem der Grünfrack zu ihnen hereingekommen war. Aber wie konnten sie ihn jetzt wieder loswerden? Ihn zum Abzug zu zwingen, getraute sich keiner. Es war eine ungemütliche Lage.
Nur einer unter ihnen, der kleine Peterli genannt, ein ganz pfiffiger Bursche, bewahrte kaltes Blut. Der war bei allen Streichen vornean, und sein Wort war das der ganzen Schar. Dieser rief, als alle ratlos schwiegen, keck und auf den Stockzähnen lachend: «Also, die Abmachung gilt, dafür stehe ich. Vorwärts, das Licht gelöscht, und der letzte, der hinausgeht, wird von dem Herrn da mitgenommen!»
Die Lampe wurde ausgeblasen, und der Grüne stellte sich an die Türe, bereit, seine Krallen in den Arm des letzten unter den Abziehenden zu schlagen. Der Mond schien hell in die Stube, als die Burschen, die erst noch so ausgelassen gescherzt hatten, kleinlaut hinaustraten. Peterli hatte es so eingerichtet, dass er der letzte war. Schon standen die andern draussen, und eben wollte der Satan auf ihn losstürzen. Aber Peter war nicht links und sagte in gut geheucheltem Ton der Empörung: «Nur langsam, dort ist mein Hintermann!», indem er auf seinen grossen Schatten an der Wand zeigte. Der Teufel liess ihn fahren und wollte sich über den vermeinten Allerletzten hermachen, während Peterli das Urbild rettete. Der Teufel, der wieder einmal angeführt war, stampfte sich unter Wutgeheul und scheusslichem Schwefelgestank an Ort und Stelle in den Boden hinein. Mit den listigen Peister Buben wollte er ferner nichts mehr zu tun haben
Quelle: Büchli, Arnold: Schweizer Sagen, Zürich, 1966
Langwies
Das Frauentobel
Da die Frauen angeblich im seither so genannten Frauentobel an der Grenze zwischen Ausser- und Innerschanfigg im Jahr 1622 die anrückenden österreichischen Truppen zurückschlugen, dürfen sie beim Gottesdienstbesuch immer als Erste zum Abendmahl gehen. Auf der Karte anzeigen.
Die Hexe in Langwies
In der »Bizirüti« bei Langwies stand früher ein Haus, in welchem ein Mann und eine Frau wohnte.
War der Mann durch seine Tugend und Leutseligkeit bei allen Nachbarn beliebt, hielt man die Frau dagegen für eine, die mehr konnte, als Strümpfe «lismen», man hielt sie für eine Hexe. Das that dem Manne leid, dass man seine Ehewirthin für das hielt, wollte es aber nicht glauben, ohne davon überzeugt zu sein.
Nun geschah es, dass die Frau ein Kleines bekam und die Magd derweilen das Hauswesen besorgte. Zu der kam, als sie in der Küche der Frau das Abendessen bereitete, eine grosse, schwarze Katze, die sie grässlich anglotzte, dann auf den Herd sprang und in die Pfanne guckte. Die Magd wollte die Katze vertreiben, aber die ging nicht, bis sie ihr eins mit einem brennenden Scheite versetzte, und so das Ungethüm aus der Küche brachte, das nun schrecklich schreiend davon lief.
Als die Magd mit dem Essen in die Stube trat, sah sie das Gesicht der Frau ganz «beruost» und verbrannt, und fragte sie, warum sie so schwarz und bös aussehe?
«Das geht dich nichts an», erwiderte die Frau. – Die Magd, welche bei der Frau nichts als schlechte Tage gehabt hatte, wusste nun, woran sie mit ihr war, und erklärte dem Hausherrn das neue Wunder; dem gingen nun endlich auch die Augen auf, und er beschloss, seine werthe Ehehälfte selbst auf die Probe zu stellen:
Eines Tages sagte der Mann zur Frau: «Bringe mir schnell die Sonntagskleider, denn ich will in die Welt hinaus, um das Hexenwerk zu erlernen, und komme erst wieder heim, wenn ich es kann.» Die Frau nahm das für Spass und gab ihm keine Antwort. Der Mann entfernte sich von Hause, um sie wegen der Hexerei beim Amte zu Langwies zu verklagen.
Nun rief die Frau ihn zurück und sagte ihm, dass sie ihn das Hexenwerk lehren wolle, er brauche nicht weg. Damit war der Mann einverstanden.
Die Frau führte ihn in den Hof und sagte ihm, er solle ihr auf den Rossmist folgen und das nachsagen, was sie ihm vorsage.
Sie sprach hierauf die Worte: «I stan da ufam Rossmist und verleugna min Her Jesu Christ.» – Der Mann sagte anders: «I stan da ufam Rossmist und weiss, dass du a Häx bist.»
Mit diesen Worten schlug er sie zu Boden, liess sie liegen, verklagte sie als Hexe, und es ging nicht lange, so wurde sie verbrannt.
(Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874)
Fondei
«Vam Nachtvolch»
Die nachfolgende Sage über das Totenvolk im Fondei erzählte 1934 ein Aroser Bauer dem Sagenforscher Arnold Büchli.
«Min Ätti ischt i F(o)ndei ghûsed. Dert heiend gwüssni Lüt zum vorus chönne säge, wen eis hed müäße stärbe.
Du’ emal hed eis im inndră F(o)ndei, es âlts, ghüratets Wibli, mim Atti gseid: läz stärbi den eis im inndră F(o)ndei. «Warum?» hei dr Ätti gfreeged. Das Wibli hei gseid: Es hei ds Nachtvolch gsehn. Schi söllend den Achtig gän, wenn sch über ds Brüggli gang-gend. Denn si dert eine, wa Füür schlagi. Es hei eine im Nachtvolch uf däm Brüggli zwüsched Inndr- und Usserf(o)ndei Füür gschlage. Schi söllend denn nun úfpasse.
Den ischt eis gstoorbe. Di glichä Lüt, wa das Wibli bim Nachtvolch gsehn hed, sind denn mit dr Lich in ds Usserf(o)ndei. Und richtig, uf em Brüggli hed eine Füür gschlage. Es si dr Schriber (Notar) Jos Engel va Nigglischhus gsin. Das Hus heißt hüt noch so. Es isch me z’lang ggang-ge bis zum Platz an d Wis – fascht zwei Stundä – ohni rauche.»
Quelle: Arnold Büchli, Mythologische Landeskunde von Graubünden, Staatsarchiv Graubünden/Verlag Desertina
Sapün
Die Hexe in Sapün
Durch Sapün-Dörfli oberhalb Langwies ging einst ein Mann mit einem der schönsten seiner Rinder bergan, als ein altes Weiblein zu ihm her trippelte, das Rind anschaute, und demselben mit den Worten: »Das ist doch en‘ hübschi Mähni« mit der rechten Hand über den Rücken strich. Dann ging sie schnellen Schrittes weg.
Als der Mann bei den Unter-Gädinen das Rind in den Stall tat, bemerkte er, dass dasselbe krank war.
Da nun in der Gegend schon mehr derartiges ihm oder andern begegnet war, erkannte er sogleich, dass das arme Rind verhext sei, und das einzig und allein durch das Weiblein. Er holte vom »Gemach« (Dachkammer) ofengedörrtes Reckholder- (Wachholder-) Holz, und eine Handvoll Allermannsharnisch-Wurzeln, machte dann unter dem Bauche des Rindes ein Feuer an, dass die Flammen rechts und links emporschlugen, streute das Reckholder-Holz und die Wurzeln ins Feuer, — kaum hatte er das getan, so trat das gleiche alte Weiblein unter die Stalltüre, und bat gar erbärmlich, dem armen Tiere nicht solche Qualen anzutun, das helfe demselben doch nicht. Der Mann aber machte noch mehr Feuer, bis dass er sah, dass das Weiblein die grösste Qual litt, während das Rind vom Feuer gar nichts spürte.
Die Hexe (eine solche war nämlich das Weiblein) bekannte nun dem Mann Vieles, das sie «angestellt» (verübt) hatte. Er aber übte für dieses Mal Gnade; bevor er jedoch sie losliess, musste sie das Rind wieder gesund machen. Sie tat dies, indem sie mit der linken Hand den Rücken des Tieres »widerhaar« (dem Kopfe zu) strich. Zudem musste sie ihm versprechen, ihn und sein Vieh künftig in Ruhe zu lassen.
(Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874)

Arosa
Bartli Jeger (Haspelgrube Arosa)
Bartli Jeger sei einmal in die Haspelgrube auf Hasenjagd. Doch zog dann die «Bränte», auf, vor lauter Nebel habe er nichts mehr gesehen. Er sei dann im Wald geblieben und habe ein Feuer gemacht. Um Mitternacht sei es dann aber so hell geworden, dass man Nähnadeln auf dem Boden hätte sehen können. Dann seien zwei weiss gekleidete Jungfrauen erschienen und hätten sich zu ihm gesetzt. Er habe nichts gesagt und die Jungfrauen auch nicht, bis zum ersten Glockengeläut am Morgen. Da sagten die Jungfrauen, hätte er sie was gefragt, hätten sie ihm viel erzählt. Darauf seien sie verschwunden und es wurde noch einmal dunkel.
Bartli Jeger war übrigens kein ängstlicher Mann, und ein grosser Jäger. 900 Gämsen soll er erlegt haben, und noch mehr Füchse und Hasen.
Quelle: Arnold Büchli, Mythologische Landeskunde von Graubünden, Staatsarchiv Graubünden/Verlag Desertina
Die Pest (Wolfboden Arosa)
Im Wolfboden unter «Martischhus» seien zwei Töchter auf der Laube verstorben. Man habe noch lange blonde Haarzöpfe mit roten Bändern über die Laube herabhängen sehen. Wochenlang sollen sie sich im Wind bewegt haben. Man habe damals (in der Pestzeit) die Toten lieber gemieden als bestattet.
Quelle: Arnold Büchli, Mythologische Landeskunde von Graubünden, Staatsarchiv Graubünden/Verlag Desertina
Der Gottlobstein
Auf dem Carmennapass, gleich beim Grat, steht ein hoher, spitzer Stein, der «Gottlobstein». Dieser Name rührt vom beschwerlichen Weg her. Über den Carmennapass führte schliesslich eine der kürzesten, aber auch anstrengendsten Verbindungen von Chur nach Arosa. Auf der Passhöhe konnte man – «Gottlob» – endlich durchatmen.
Einst jedoch ging ein Mann diesen beschwerlichen Weg, kam aber in ein Schneegestöber und erfror wenig oberhalb des Steins. Seine Frau wollte ihm entgegengehen, aber auch sie erfror. Beide starben etwa gleich weit weg vom Stein, er oberhalb, sie unterhalb des Steins.
Quelle: Arnold Büchli, Mythologische Landeskunde von Graubünden, Staatsarchiv Graubünden/Verlag Desertina
Gold am Rothorn
In dem Gebirgsstock, der sich zwischen der Lenzerheide und Arosa verzweigt, ist die höchste Spitze das rote Horn. Es ragt bemerklich über die andern verwitterten Zacken empor und bietet, wenn man es bestiegen hat, eine schöne Aussicht auf die dahinterliegenden höheren graubündnischen Schneegebirge und Eiszacken. Auch das rote Horn selbst schon beherbergt an seinem nördlichen Abhang einen kleinen Gletscher von einer Viertelstunde im Umfang. Schon der Name sagt, dass diese felsige Bergspitze rötlich gefärbt ist und lässt schliessen, dass in ihrem Schosse Mineralien verborgen seien. So ist es auch. Am roten Horn waren Metallgruben, welche noch im siebzehnten Jahrhundert bearbeitet wurden.
Die Stadt Plurs im Veltlin, damals rhätischem Untertanenlande, welche im Jahr 1618 von einem Bergsturze verschüttet worden ist, betrieb diese Minen. Plurs war ein reiches Städtchen zwischen Cleven und der jetzigen Graubündnergrenze am Ausgange des Bergeller-Tales gelegen. Dass aber die Plurser so reich waren, ging nicht mit rechten Dingen zu; wie die Sage erzählt, stunden sie mit unterirdischen Mächten im Bunde und diese liessen ihnen in einer Mine am roten Horn täglich eine Kanne voll reinen Goldes fliessen. Daher rührte der Reichtum der Plurser, welche denselben überdies sehr übel anwandten und nur zu Schwelgerei, Luxus und Wollust benutzten. Aber die Stunde sollte sie erreichen. Im Jahr 1618 bedeckte ein Bergsturz Plurs mit allen seinen Schätzen und keine Maus entkam. Einzig ein Bündner Säumer wurde auf wunderbare Weise gerettet. Er kam mit seinen Saumrossen im Städtchen an und wollte dieselben einstellen. Aber das Vorross machte sich auf und davon und die andern Rosse ihm nach. Er eilte nach und brachte sie zurück. Zum zweiten Mal riss das Vorross aus und die andern Rosse folgten ihm. Er holte sie zum zweiten Mal ein und brachte sie wieder zurück. Aber das Vorross bahnte sich zum dritten Mal Wege und eilte in schiefem Schritt dem Bergell zu und die übrigen Rosse folgten ihm auf den Eisen nach. Da besann sich der Säumer eines Bessern und liess seine Rosse traben und zog mit
ihnen des nämlichen Weges. Am folgenden Morgen war Plurs nicht mehr. Von diesem Tage an war auch die Goldquelle am roten Horn versiegt und niemand hat sie mehr gefunden, obschon noch viel Gold im Berge ist. Auch war es seit jener Zeit nicht geheuer mehr um das rote Horn herum, wahrscheinlich, dass die Plurser-Verschütteten dort sich als Geister herumtrieben. So war namentlich eine Stelle in der Aroser Schafalp häufig von bösen Geistern und Hexen besucht und öfters werden dort zur Nachtzeit Hexentänze gehalten. Noch sieht man in einem Steine daselbst deutlich den Fusstritt eines Ziegenbockes und den Fussstapfen einer Hexe, die daselbst vom Ziegenbocke abgestiegen ist, auf dem sie zum Tanze geritten kam.
(Quelle: Quelle: Vernaleken, Theodor: Alpensagen, Wien 1858)
Die Wunschhöhle
Dahinten im Schanfiggerthale über dem Dörfchen Arosa und dem lieblichen Schwellisee steht einsam ein alter »Ziernüsslibaum«. Rings um denselben, auf eine halbe Stunde weit, sind alle andern Arven verschwunden; nur diese einzige ist übrig geblieben, hoch und mächtig mit breitem Wipfel zum Himmel ragend. Unter ihrer Wurzel hervor sprudelt ein frischer Quell.
Wer ein Sonntagskind ist, findet in derselben einen goldenen Schlüssel und neben dem Baum einen versteckten Eingang, der zu einer eisernen Thüre führt. Diese schliesst der goldene Schlüssel auf.
Drinnen steht ein kleines Männlein mit weissem Barte und winkt dem Eingetretenen, ihm zu folgen. Sie gelangen in einen weiten Raum, der von Gold und Edelsteinen taghelle erleuchtet ist; hier lässt das Männlein dem Ankömmlinge die Wahl zwischen drei Dingen, die da zu sehen sind: einem Haufen Gold und Diamanten, einer goldenen »Plümpe« und einer verzauberten, schönen Jungfrau.
Wählt er den Haufen Gold und Edelstein, so wird er unermesslich reich; nimmt er die Plümpe, so wird er das schönste Vieh im Lande haben, aber beide Male nur wenig Glück daneben. Erkiest er sich aber die verzauberte Jungfrau, so wird er diese vom Banne erlösen, sein Leben lang glücklich sein und an Nichts Mangel leiden.
Der Letzte, der in die Wunderhöhle gekommen ist, war ein junger Küehjer gewesen. Weil dem das liebe Vieh und das lustige Sennenleben über Alles ging, hat er die goldene Plümpe gewählt. Das hat aber die verzauberte Jungfrau gar übel genommen. – Wohl hatte er das schönste Vieh im Lande, aber ehe ein Jahr um war, ist ihm Stück um Stück in den gräulichen Felsenschlünden am Erzhorne und im Welschtobel erfallen, und er selber ist ganz jung und ungeliebt gestorben.
(Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874)
Urden und Tschiertschen
Der Urdensee
Es war einmal ein reicher habsüchtiger Senn auf einer schönen Alp, da wo jetzt der Urdensee liegt. All sein Sinnen und Trachten ging darauf hinaus, wie er seine Besitzungen vermehren könnte. Da kam einmal der Böse zu ihm und versprach ihn zum reichsten Manne des ganzen Tales zu machen, wenn er tue, was er sage. Der Senne versprach um diesen Preis ihm zu Willen zu sein.
Nun schenkte ihm der Böse eine rote Kuh, diese solle er melken, so oft Leute bei ihm zusprechen, die auf dem Kirchwege begriffen seien. Zu jener Zeit war nämlich im ganzen Schalfiggtal (Schanfigg) noch keine Kirche, die Leute mussten weit über die Berge auf mühsamen Pfaden nach Obervaz hingehen. Der Kirchweg ging an der Hütte des Sennen vorüber. Starb im Winter jemand, so wurde die Leiche in den Schnee verscharrt und erst im Frühling nach dem entlegenen Pfarrdorfe getragen.
Eines Tages nun nahm ein steinaltes Mütterlein des Tales Stock und Ränzel und wollte über das Rothorn nach Obervaz. Sie dachte, es sei wohl an der Zeit, dass sie mit dem lieben Herrgott die Rechnung des Lebens in Richtigkeit bringe, ehe sie von dem ein Heimsuchung erfahre, der sich nicht gerne erbitten oder mit Worten abspeisen lasse. Darum machte es sich auf den Weg, noch ehe es einschneite und der lange und harte Winter begann.
Müde und abgemattet vor Hunger und Durst erreichte es die Hütte des reichen Sennen.
Das Weib macht ihm einen Zuspruch, um ihn um einen Schluck frischer Milch zu bitten. Der Senne war anfangs barsch, und wollte dem Mütterlein die Türe weisen. Da es aber flehentlich in ihn drang, nahm er lächelnd einen Napf und trippelte damit zur Hüttentüre hinaus. Er ging und molk die rote Kuh, dann kehrte er mit der Milch zurück und gab sie der Alten. Arglos wie es war, trank das Mütterlein in gierigen Zügen, dankte dem Sennen aufs Freundlichste und ergriff wieder den Wanderstab.
Hohnlächelnd schaute der Senn ihr nach. Kaum war sie einen Büchsenschuss von der Hütte entfernt, sank sie von den heftigsten Schmerzen überwältigt zu Boden, und bald kämpfte sie mit dem Tode. Sie wusste nunmehr, dass der Senn die Schuld davon trage. Noch einmal erhob sie sich vom Boden, raffte alle ihre Kraft zusammen und stiess einen schaurigen Fluch über Senn und Alp aus.
Sofort überzog sich der Himmel mit dunkeln Wolken, der Donner krachte, der Regen ergoss sich in Strömen, die Erde barst und spie Feuer und Schwefel aus. Felszacken stürzten zusammen, Weide, Hütte und Senn sanken in die Tiefe und über ihnen schlugen die Wasser des wilden Urdensees zusammen.
Jedes siebente Jahr steigt der Senn mit seiner roten Kuh einmal in der Mitte des Sees aus der Tiefe auf. Mitten auf dem Wasserspiegel melkt er sofort die rote Kuh, ist dies geschehen, so gerät der See in Aufruhr, es bildet sich um den Sennen ein Strudel, der ihn samt der Kuh wider für sieben Jahre hinunterschlingt. Darauf trete jedesmal ein heftiger Seesturm ein und jenseits der Berge beginne das Davoser Landwasser mächtig anzuschwellen.
Das ist die Sage vom Urdensee, die schon manchem Sennen ernste Gedanken gemacht hat. Diese Art Volkspoesie ist düster und unheimlich, wie die meisten Alpenseen selbst.
Die Hexen auf Urden
«Es war in einem Herbste, als die Maladerser ihre Alpe unterhalb Urden wegen schlechtem Wetter früh verlassen hatten. Das «Molchen» (der Molken, Alpnutzen) konnte auf den darauf folgenden Tag (Sonntag) nicht «z’Thal«geführt werden, weshalb der Senn mit dem «Zu-Sennen» droben blieb, um am Montag die Ladung zu bewerkstelligen.
So blieben sie also am Sonntag Abend in der Alpe, hatten bereits das einfache Nachtessen verzehrt, auf die «Pritsche» sich gelegt und ein «Davoser-Pfîfli» angefüllt, als auf einmal die lieblichen Töne einer Geige sich vernehmen liessen. Diese Töne kamen näher und näher, und lange ging es nicht, so klopfte es an der Thüre. Der Zu-Senn erwiderte: «nu ine», und beide wunderten sich nicht wenig, als eine ganze Tanzgesellschaft herein kam, dem Geiger nach. «Isch erlaubt?», fragte eins von der Gesellschaft; der Senn antworte: «Jo frîli (freilich).»
Und nun ging’s an ein Tanzen, und die Beiden sahen zu, wie die Hexen, denn es waren alles solche, so schön tanzten, wie der Geiger, der der Teufel selber war, auf einer Geige ihnen vorspielte.
Das ging nun ganz ordentlich, bis der Senn näher aufschaute und bemerkte, dass der Musikant keine rechte Geige hatte, sondern ein Todtenbein war seine Geige und der Zopf von einem Weibe war der Geigenbogen. Auch konnte er, was er anfänglich nicht gesehen, unterscheiden, daß der eine Fuss des Musikanten ein Rossfuss (Pferdefuss) war. Er zeigte das dem Zu-Sennen, worauf sie sich bekreuzten. Kaum hatten sie das gethan, verstummte die schöne Musik; alles stürzte in größter Eile und mit furchtbarem Lärmen zur Hüttenthüre hinaus.
Am Morgen lag hoher Schnee auf der Alpe. Hätten sie aber die Gesellschaft austanzen lassen, wäre das Wetter gut geblieben.
(Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden)
Der Täli-Giger
In der Tschiertscher-Alpe Farur liegt ein kleines Tal, das Täli genannt. Dort haben schon gar viele geigen gehört, und zwar so schön, dass jeder, der das hörte, hin musste, wo die Musik her zu kommen schien, aber immer war der unsichtbare Musikant an einer andern Stelle, als wo man ihn zu treffen glaubte.
Ein alter Küher, der eines Nachts in den »Gruben« unterhalb am Gürgaletsch sich befand, hörte die schönsten Tänze geigen, worauf er unwillkürlich zu tanzen anfing, und so lange tanzen musste, bis er umfiel, vor Müdigkeit; zudem hatte er bei seiner Tanzerei seine Holzschuhe verloren. -
Ein anderer, der Schreiber Johann Fleisch von Churwalden, hat vor etlichen Jahren dem Franz Sprecher in Tschiertschen erzählt, er sei gerade nie ein Liebhaber vom Tanzen gewesen; aber wie er den Täli-Giger einmal gehört, habe er tanzen müssen, er habe wollen oder nicht, und das eine ganze Stunde lang, dann sei die Musik plötzlich verstummt, und er sei so »sturm« (betäubt) und müde gewesen, dass er viele Tage kaum stehen und gehen konnte.
(Quelle: Jecklin, Dietrich: Volksthümliches aus Graubünden. 3 Teile, Zürich 1874)
Der starke Balz
An einem Herbsttage kam der Fuhrmann Balz ab der Langwies von Chur nach Tschiertschen, und noch in der Nacht wollte er heim. Es war stichdunkel, so daß man ihn warnte, weiter zu gehen, da ihm so leicht ein »Ungfell« zustoßen könnte, und er dann hülflos umkommen müßte. Balz aber war ein unerschrockener Wildner, und hart wie der Felsen, an den daheim sein Häuslein lehnte; aber roh und gottlos war er auch, der Balz; und so that er den Fluch, er gehe heim, und wenn selbst der Teufel käme, der würde ihn nicht «baschgen», oder ihn auf den «letzen» Weg bringen.
Gesagt, gethan; der böse Balz ließ sich nicht halten, und ging, und kam glücklich in den Wald hinterhalb des Dorfes, bis zum Holzriese, das ins Tobel fällt. Aber dort stellte sich ihm ein Mann von sonderbarer Körperbildung entgegen, der behauptete, Balz sei auf dem unrechten Wege. Balz sagte »nein« und wollte, den Unheimlichen bei Seite drückend, seinen bekannten Weg vorwärts gehen. Nun machte sich der Fremde daran, den Balz gewaltsam vom rechten Wege abzuleiten; der aber ließ sich den Bart nicht zausen und wurde mit dem Andern »handsgemein«. Beide waren aber gleich stark, und es war ein fürchterliches Ringen. (Ein Bube mit einer Laterne war ihm nachgegangen. Dem grausete es ob der Balgerei und er eilte heim, zu erzählen was er vernommene.)
Im Dorfe horchte man, ob nicht ein Hülferuf von Balz, der in der Dunkelheit den Weg ohne anders verfehlen mußte, zu vernehmen sei, damit man etwa noch helfen könne. Lange Zeit war nichts zu hören, bis auf einmal ein verworrenes Fluchen vom Tobel her, dann ein Krachen und Rascheln, als ob ein großer Stein durch die Stauden hinab rolle; erst nach einer Weile wurde es still. Am Morgen suchte man nach dem Balz, der ohne Anders erfallen sein mußte, aber nirgends konnte man ihn finden.
Nach vielen Monaten kam endlich Balz wieder zum Vorschein, von Langwies heraus nach Tschirtschen, aber gleich bemerkte man an ihm eine gewaltige Veränderung. Er war nicht mehr so roh und gottlos.
Man fragte ihn, wie es ihm in jener Nacht gegangen sei, und da erzählte er, im Ries sei ihm der Böse, den er bis anhin nicht gefürchtet habe, begegnet, mit dem habe er gerungen, bis es »z’Tag glüt‘«. Keiner habe den Andern wollen laufen lassen und sie hätten sich Beide zu erwürgen gesucht; im Ringen seien sie miteinander das Ries hinuntergekugelt und noch unten im Tobel, am Wasser hätten sie gerungen und Keiner »lugg« lassen wollen. Da habe es gegen Morgen »z’Tag glüt‘« und auf einmal sei der Andere verschwunden.
Balz zeigte die Maale an seinem Halse, und von da an hieß das Ries, wo der Böse ihn angepackt, das »Balz-Ries«.
Praden
Die Hexe als Fuchs
Christian Clement, Landwirt in Praden (1874–1954), erzählte einst:
«Än Jeger ischt «in dr Tummä» an dr Urder Gass wa Ggeschtiel (Castiel), Lüen und Cafreissä (Calfreisen) z Alp uufgand, im Winter gan passä (Passjagd). Denn hedr füüf Függsch gseen. Är hei gschossä, aber nüüd troffä. Am andrä Taag ischt er ga luägä, ob er khein Bluätgspuur gsech. Duä findt er Stügg van erä Florchappä (Mütze). Und duä nahär hed ma n äs Wiibervolch (eine Frau) gseen mid emä verbundnä Chopf.» Frau Putzi-Lys (genannt «Putzigretä», 1887–1976»), ergänzte: «Das ischt da im Doorf gsin, aber mä tarf s nid sägä.»
Quelle: Arnold Büchli, Mythologische Landeskunde von Graubünden, Staatsarchiv Graubünden/Verlag Desertina
