… hatte im heutigen Graubünden lange einen schweren Stand – und verschwand dann ganz. Von 1650 an wurde der Rothirsch durch die Jagd, die Rodung von Wäldern und Veränderungen des Lebensraums an sich immer seltener, um 1850 war er ausgerottet.
Doch dann tauchte der Rothirsche wieder auf, nicht zuletzt wegen eines strengeren Jagdgesetzes. 1921 erschien er etwa in der Region Tarasp im Unterengadin. Und das wurde in der regionalen Presse fast schon gefeiert:
«Schon im letzten Herbst behaupteten Jäger von Tarasp in der dortigen Gegend die Spuren eines Hirsches bemerkt zu haben. Neuerdings wird nun gemeldet, dass man nicht nur Spuren bemerkte, sondern dass sich in der Nähe des (National-)Parkes ein veritabler Hirsch aufhalte, und zwar ein Prachtsexemplar. Man hofft auf baldigen Zuzug, und träumt schon von einer kiinftigen Hirschkolonie, was allerdings sehr schon wäre.»

Jean Gaberell, Rothirsch, ca. 1930 (ETH Bildarchiv)
Tatsächlich leben heute im Nationalpark gut 1800 Rothirsche. Und vielleicht, wer weiss, leisten ihnen bald jene sagenhaften Wesen wieder Gesellschaft, die im Laufe der Geschichte ebenfalls verdrängt wurden … die Dialen etwa.
Quelle: Engadiner Post, 26. Februar 1921
