Thomas Mann? Natürlich: «Der Zauberberg». Klabund? Ist ebenfalls – auf Leben, Tod und darüber hinaus – mit Davos verbunden, durch Gedichte und die Novelle «Die Krankheit». Else Lasker-Schüler dichtete hier, Edith Södergran und viele mehr.
Die Sagenwelt berührten sie alle – und zumeist doch nicht. Fieberträume durch Tuberkulose gab es, Tote tauchten auf Bobbahnen auf, aber das Totenvolk, die Wildmannli oder die Sennerin der Totalp blieben aussen vor.
Hier erhalten sie jetzt ihren Platz in der digitalen Welt – dank Volkskundlern wie Arnold Büchli und ihren Gewährsleuten vor Ort. Die nachfolgenden Sagen sind – mit freundlicher Genehmigung – der «Davoser Revue» (Ausgabe «Sagen», 4/2022) entnommen.
Davos Laret
Das Totenvolk bei Laret
Das sagenhafte Totenvolk tritt bei Oberlaret im «Loch» in Erscheinung. Wer dem Volk hier begegnet, soll ihm bergseits ausweichen.
Das grüne Lichtlein
Beim «Stutzji» erschien einst in einer Hausruine ein grünes Lichtlein. Wer zu lange hinsah, hatte tags drauf einen geschwollenen Kopf.
Hexentreff bei Laret
Im nicht mehr gut sichtbaren «Unghüürschluochti» unter dem Wolfgang trafen sich einst Hexen zum «Lismen» (Stricken).
Davos Wolfgang
Hans Flurin
Sagenhaftes erzählt man sich von einem einstigen Wirtshaus auf dem Wolfgang. In der Blockhütte will man Knochen gefunden haben. Wer den Wirtshausbesuch lebend überstand, hatte trotzdem das Nachsehen: Der geizige Wirt «versüsste» den Veltlinerwein mit Wasser. Dafür musste der Wirt namens Hans Flurin aber büssen: Nach seinem Tod wurde er in die Schiafluh verbannt, wo er – vielleicht – noch heute herumgeistert.
Davos Dorf und See
Der schwarze Reiter
Eine Hochzeitsgesellschaft bricht im Eis des Davosersees ein und versinkt für immer im See. Mehr in Kürze.
Martin Chindschi
Manche Menschen, die das Totenvolk sehen, müssen später mit ihm gehen.Martin Chindschi, wohnhaft auf der «Bündä», muss hingegen als Lebender, wann immer ihn das Totenvolk ruft, mitziehen – und zwar den Hängen des Seehorns entlang.
Der «Sibestimmler»
Der «Sibestimmler», auch «Schamüüni» genannt, sieht vieles voraus. Etwa, dass Davos Dorf und Davos Platz zusammenwachsen werden und ein feuriges Ross (die Eisenbahn) durch die Landschaft reiten wird. Der «Sibestimmler» haust in der «Stilli», ist aber als «Schuochter» (Schuster) viel unterwegs – und sagt etwa den Tod voraus.
Parsenn
Totalp
Die wohl bekannteste Davoser Sage erzählt, wie die Totalp zu ihrem Namen kam: Eine Sennin verfluchte die Alp, die daraufhin abstarb. Der Grund: An einem Fest wollten Burschen die Sennin «trätzen», also foppen, dass die Kühe wohl schon Sehnsucht nach ihr hätten. Sie stampfte auf den Boden, fluchte – und die Alp wurde von einem ungeheuren Ungewitter verwüstet.
Eine weitere Totalp-Sage erzählt, dass auf einer Alp ein wenig beliebter, einsamer Junge lebte. Eines Tages rief er hoch über der Alp den Berggeist hervor. Dieser versprach ihm Erkenntnis, sofern er an keinem Menschen mehr hinge. Andernfalls würde er ihn und all die Seinen vernichten. Da erinnerte sich der Junge an die einzige ihm wohlgesinnte Person, die Grossmutter …
Flüela
«Das alt’ Mändli am Flüela»
Auf dem Tschuggen im Flüelatal zieht ein Mann ein Findelkind gross, verliert es aber auf der Jagd an den Tod. Mehr in Kürze.
Dischma
Verschwunden
In einem Haus bei den «Chaiseren» im Dischma wartete man auf die Rückkehr des Familienoberhaupts aus dem Engadin. Eine Magd behauptete am Abend, sie habe ihn auf einem Pferd kommen sehen. Aber er sei doch nie gekommen, erzählt man sich, er sei in einer Lawine am Scalettapass ums Leben gekommen.
Ein Ungeheuer
Im Dischma, bei «Chintsch Hus», übernachtete einer in einer alten Hütte. Da hörte er etwas. Er meinte, es sei ein Ungeheuer. Da ist es ihm «(v)erleidet».
Ein Geist
Sagen lassen sich auch kurz und knapp erzählen. Das tat etwa Lehrer Christian Engi (1861–1946) um 1938: «An dn Gadmen ischt es chleis Chällerli gsi, und da hed ma mäng-gsmal es Fräöli gseh, en Geischt.»

Davos Platz
Das «Chaiserli» (Rhätia)
Vom einstigen Hotel Rhätia in Davos Platz erzählte man sich Ungeheuerliches – und zwar in Zusammenhang mit dem Besitzer, dem alten «Chaiserli». Mehr in Kürze.
Die Hausierin (Tobelmühle)
Einer Frau in der Tobelmühle (Davos Platz) stellte eine Hausierin wiederholt die Frage, wie es ihrem Mann ginge. Als der Mann gestorben war, fragte die Frau, wieso die Hausiererin immer dasselbe fragte. Die Hausiererin antwortete: Sie habe schon beim ersten Besuch einen Sarg vor dem Haus gesehen.
Strela
Hexen auf dem Strela
Überall in Graubünden treffen sich den Sagen nach Hexen. Beliebt sind sogenannte Tanzplätze. Der Teufel höchstpersönlich soll die Hexen aus dem Schanfigg auf einen Heuberg im Sapün («Chrinnen») gerufen haben. Die Hexen aus der Landschaft Davos bestellte er hingegen auf den Strelapass.

Im Unterschnitt
Die Erbalp
Während der Pestzeit soll aufgrund der häufigen Todesfälle eine Alp in einer Nacht gleich sieben Mal weitervererbt worden sein. Darum heisse die Alp jetzt Erbalp.
Davos Frauenkirch
Die Frauenkirche
Sagenhaftes rankt sich um das Gotteshaus in Frauenkirch. So heisst es etwa, dass das «Schlössli»-Haus neben dem Frauenbach einst ein Kloster war. Die Nonnen gelangten der Sage nach von hier durch einen unterirdischen Gang zur Kirche. So hätten sie sich nicht der Lawinengefahr aussetzen müssen.
Der Übergang vom alten zum reformierten Glauben schlägt sich in einer weiteren Sage über das Gotteshaus in Frauenkirch nieder: Beim Giessen der Kirchglocken sei an der grösseren Glocke die Krone zersprungen. Die Nonnen hätten dies für ein schlechtes Zeichen gehalten und seien geflohen.
Das Totenvolk
Einer sei in Frauenkirch dem Totenvolk begegnet, worauf er sich beeilt habe, die Seinen noch einmal zu sehen. Er sei dann, obwohl gesund, «gschwindhaft» gestorben.
Die «Sibermatte»
Anna Ambühl-Issler (1857–1941) erzählte von der Pestzeit: «Bir Frauechilcha ischt es gross Guod (Gut) an dr Strass, e Wise und en Acher, d Sibermatta. Das Guod ischt in einer Nacht sibemal vererbd cho, und sit duo (seit da) heissis dert ‚in dr Sibermatta‘».
Ein Geisterhaus
In einem alten Haus auf der Lengmatte bei Davos Frauenkirch verlor ein Mann seine Frau. Er wusste sich vor Trauer nicht mehr zu helfen und erschoss zuerst die Kinder, dann sich selbst. Seither «geischte» es in dem alten Haus.
Sertig
Sertiger Sagen
Vom räuberischen Drachen bis zum enttäuschten Wildmannli: Das Sertig gehört zwar zu Davos, erhält aber aufgrund seines Sagenreichtums eine eigene Sammlung – inklusive geografischer Verortung. → mehr

Richtung Zügenschlucht
Der Kapuziner
In der Spina hatte ein Bauer stets Unglück im Stall. Da suchte er einen «Ggaputschiner» auf. («Kapuziner» standen selbst bei Reformierten im Ruf, über besondere Künste zu verfügen.) Der Kapuziner sah in einem Glas, wer an dem «Ungfell» des Bauern Schuld hatte, und fragte, ob er die Urheber des Unglücks sterben lassen solle. Das wollte der Bauer nicht. Und so riet ihm der Kapuziner, ein Messer in die Stalltüre zu stecken. Das tat der Bauer, und darauf hatte er Ruhe.
Der Schafhirte
Unter dem «Unghüürstei» im «Bodmä», im Einzugsgebiet des Leidbachs ob Glaris, «geischte» ein einstiger Schafhirt, der zu Lebzeiten unrechtmässig Schafe verkauft habe und nun dafür büssen müsse.
Das Totenvolk
Eine Frau hörte in der Ortolfi, bei der Kirche von Glaris, nachts ein Klopfen an der Tür. Sie sagte, sie komme gleich. Und als sie öffnete, war da das Totenvolk und sie musste mit ihm gehen.
Das Skelett
In einem Haus in der Ortolfi wollte die Stubentüre nie zugehen, und in der Stube habe es «ggeischted». Man erzählt sich, dass in dem Haus eine Magd umgebracht worden sei, aber man wusste nicht, was mit dem Leichnam geschehen sei. Viel später, als man im Haus Bretter wegriss, entdeckte man ein «Schgalett».
Der Spiegel (Rotsch)
Starb früher jemand, verhängte man im Haus die Spiegel mit schwarzem Flor. Auf dem Rotschzug unterhalb Monstein sah eine Frau, bevor man ihr künftiges Patenkind zur Taufe brachte, diesen verhängten Spiegel im Voraus. Das Kind verstarb kurz nach der Taufe.
Monstein
Der Kapuziner
In der Spina hatte ein Bauer stets Unglück im Stall. Da suchte er einen «Ggaputschiner» auf. («Kapuziner» standen selbst bei Reformierten im Ruf, über besondere Künste zu verfügen.) Der Kapuziner sah in einem Glas, wer an dem «Ungfell» des Bauern Schuld hatte, und fragte, ob er die Urheber des Unglücks sterben lassen solle. Das wollte der Bauer nicht. Und so riet ihm der Kapuziner, ein Messer in die Stalltüre zu stecken. Das tat der Bauer, und darauf hatte er Ruhe.
Der Schafhirte
Unter dem «Unghüürstei» im «Bodmä», im Einzugsgebiet des Leidbachs ob Glaris, «geischte» ein einstiger Schafhirt, der zu Lebzeiten unrechtmässig Schafe verkauft habe und nun dafür büssen müsse.
Das Totenvolk
Eine Frau hörte in der Ortolfi, bei der Kirche von Glaris, nachts ein Klopfen an der Tür. Sie sagte, sie komme gleich. Und als sie öffnete, war da das Totenvolk und sie musste mit ihm gehen.
Das Skelett
In einem Haus in der Ortolfi wollte die Stubentüre nie zugehen, und in der Stube habe es «ggeischted». Man erzählt sich, dass in dem Haus eine Magd umgebracht worden sei, aber man wusste nicht, was mit dem Leichnam geschehen sei. Viel später, als man im Haus Bretter wegriss, entdeckte man ein «Schgalett».
Der Spiegel (Rotsch)
Starb früher jemand, verhängte man im Haus die Spiegel mit schwarzem Flor. Auf dem Rotschzug unterhalb Monstein sah eine Frau, bevor man ihr künftiges Patenkind zur Taufe brachte, diesen verhängten Spiegel im Voraus. Das Kind verstarb kurz nach der Taufe.
Davos Wiesen
Test
In der Spina hatte ein Bauer stets Unglück im Stall. Da suchte er einen «Ggaputschiner» auf. («Kapuziner» standen selbst bei Reformierten im Ruf, über besondere Künste zu verfügen.) Der Kapuziner sah in einem Glas, wer an dem «Ungfell» des Bauern Schuld hatte, und fragte, ob er die Urheber des Unglücks sterben lassen solle. Das wollte der Bauer nicht. Und so riet ihm der Kapuziner, ein Messer in die Stalltüre zu stecken. Das tat der Bauer, und darauf hatte er Ruhe.
Der Schafhirte
Unter dem «Unghüürstei» im «Bodmä», im Einzugsgebiet des Leidbachs ob Glaris, «geischte» ein einstiger Schafhirt, der zu Lebzeiten unrechtmässig Schafe verkauft habe und nun dafür büssen müsse.
Das Totenvolk
Eine Frau hörte in der Ortolfi, bei der Kirche von Glaris, nachts ein Klopfen an der Tür. Sie sagte, sie komme gleich. Und als sie öffnete, war da das Totenvolk und sie musste mit ihm gehen.
Das Skelett
In einem Haus in der Ortolfi wollte die Stubentüre nie zugehen, und in der Stube habe es «ggeischted». Man erzählt sich, dass in dem Haus eine Magd umgebracht worden sei, aber man wusste nicht, was mit dem Leichnam geschehen sei. Viel später, als man im Haus Bretter wegriss, entdeckte man ein «Schgalett».
Der Spiegel (Rotsch)
Starb früher jemand, verhängte man im Haus die Spiegel mit schwarzem Flor. Auf dem Rotschzug unterhalb Monstein sah eine Frau, bevor man ihr künftiges Patenkind zur Taufe brachte, diesen verhängten Spiegel im Voraus. Das Kind verstarb kurz nach der Taufe.
